Kanale Grande - Entdeckungen im Ruhrpott
Zugegeben, es GAB Zeiten, da war für mich die Welt am Kamener Kreuz zu Ende. Alles, was weiter westlich davon lag, war 'BÄH!'; weil:
dort, wo der Rauch aufstieg und es dunkel wurde, waren nur Russ und Asche. Die Aussicht auf Besserung war nicht in Sicht - und Manta-Filme sowie gebratene (!) Görriewuaaast machten das Image vom Ruhrgebiet auch nicht wirklich besser. Wie KANN ein Landstrich auch so heissen, wie eine bedrohliche Krankheit?
Ein Binnenschiff - beladen mit Windradrotoren auf dem Rhein-Herne-KanalDANN wurde der Matrose krank.
Na UND, werden nun die meisten LeserInnen denken. Der Matrose arbeitete auf einem Binnenschiff, welches dem Schwager meiner damaligen Lebensabschnittsgefährtin gehört. Und DER wiederum hatte gehört, dass ich ALLES, was schwimmt und was man nicht selber aufpusten muss, toll finde: jawohl AUCH Binnenschiffe. Deswegen klingelte also sozusagen mitten in der Nacht mein Handy - es war genau genommen 9:18 an diesem schicksalhaften Tag.
Noch'n Binnenschiff - westlich von Schleuse Wanne-EickelHab ich Zeit? Na klar. Wie, den ganzen Elbe-Seiten-Kanal, den MLK (nein, das ist KEINE Spezialeinheit der Wasserschutzpolizei, sondern der Mittelandkanal), DEK und den RHK längs bis zum Rhein und dann rheinaufwärts bis Mannheim - so vielleicht zwei Wochen?
Vielleicht sah das ungefähr so ausDoch, das geht. Kaum gesagt, war ich an Bord und drei Tage später lagen wir nicht vor Madagaskar, sondern vor Schleuse Wanne-Eickel / Ostseite. Es HÄTTE auch Madagaskar sein können, temperaturmässig.
Auf den anderen Kanälen sah das Wasser richtig igitigitt aus - hier jedoch wirkte es irgendwie vertrauenswürdig. Ob man wohl? Vielleicht? Wieviel Zeit haben wir noch bis zur Schleusung? Genug?
Vorsichtig liess ich mich 'zu Wasser', das genau die richtige Temperatur hatte. Und Unterströmung im Schleusenbereich hin oder her: die Runde ums Schiff musste sein. Herrlich!
Blick auf Schleuse Wanne-Eickel von WestenNein, es gab unterwegs keine Piraten und obwohl uns auf dem RHK (Rhein-Herne-Kanal) die Ruderhydraulik vergeigte, was zur Folge hatte, dass ich am selben Tag noch zweimal 'baden' ging - nämlich zunächst beim Festmachen des ruderlosen Schiffes an der Kanalböschung in einem Brennnesselfeld und später in der Bilge im Hydrauliköl, fand ich die Fahrt durchs Ruhrgebiet interessant. So aschgrau wie in meinen bisherigen Phantasien war das gar nicht - aber hin wollte ich da trotzdem nicht. Lags an Manni-Manta oder mehr an Atze Schröder (je schröder, desto blöder)? Oder daran, dass ich doofe Blondinen garnicht abkann - wer will schon immer nur p....n?
Nu, wo(!) die Kirmes (in Crange) zu Ende ist, wird das auch schon gleich früher dunkel (Statement eines Hundeausführers abends um 21.30 auf dem Cranger Feld).So blieb das auch ziemlich lange - bis ich eines Tages auf geheimnisvolle Weise ein Wesen kennenlernte, welches am schönen Niederrhein ansässig war. Ja, doch, das war ziemlich weit weg - aber man gönnt sich ja sonst nix. Sie hatte, der Liebe und des Guten Frieden Willen, den Fördertürmen, Hochöfen und Pommesbuden der Heimat den Rücken gekehrt, aber *shit happens* ihr 'Herz' blieb in Wanne-Eickel.
Nach der Kirmes dauert es noch Wochen, bis alles abgebaut ist und wieder die 'normale' Ruhe auf dem Cranger Feld eintritt.Als ich in ihr Leben trat, ahnte ich noch nichts davon - aber später dann, so wie jetzt gerade, fuhren wir dann öfter in die Wiege ihrer Kindheit, um zu sehen, ob es ihrer Mutter gut geht und ausserdem die 'Stätten frühen Wirkens' zu bewundern.
Jedenfalls waren wir nun im August 2009 wieder einmal dort - und jetzt hab ich ein klein wenig mehr gesehen vom Land der Currywürste und den Mädels aus dem Kohlenpott, die angeblich der liebe Gott persönlich erstellte. Hier sind die entsprechenden Fotos:
Seida 2009
Der Weg ist der Weg

